Fettleber oder Leberfibrose? — Wie die Shearwave-Elastografie die Leber ohne Biopsie misst

Ob aus einer Fettleber bereits eine Vernarbung (Fibrose) geworden ist, lässt sich heute ohne Gewebeentnahme feststellen. Die Shearwave-Elastografie misst direkt während der Ultraschalluntersuchung – schmerzfrei und ohne Strahlung –, wie steif das Lebergewebe ist. Je steifer die Leber, desto wahrscheinlicher liegt eine Fibrose oder, im fortgeschrittenen Stadium, eine Zirrhose vor.

Warum die Leber lange stumm bleibt

Die Leber besitzt keine Schmerzfasern im eigentlichen Gewebe. Eine Fettleber, eine beginnende Fibrose und selbst eine frühe Zirrhose verursachen deshalb oft keinerlei Beschwerden. Viele Betroffene erfahren erst spät von ihrer Erkrankung – dabei ist gerade das frühe Stadium gut beeinflussbar.

Wie funktioniert die Shearwave-Elastografie?

Die Shearwave-Elastografie ist Teil der normalen Ultraschalluntersuchung. Der Ultraschallkopf erzeugt einen sanften Impuls, der eine feine Scherwelle durch das Lebergewebe schickt. Das Gerät misst, wie schnell sich diese Welle ausbreitet: In steifem, vernarbtem Gewebe läuft sie schneller als in weichem, gesundem. Entscheidender Vorteil gegenüber einer „blinden“ Messung: Ich sehe die Leber dabei live im Bild und kann die Messung gezielt platzieren – vorbei an Gefäßen, an der geeigneten Stelle.

So läuft die Untersuchung ab

  1. Sie kommen nüchtern zur Messung (mindestens 2–3 Stunden vorher nichts essen).
  2. Sie liegen entspannt auf dem Rücken, der rechte Arm hinter dem Kopf.
  3. Zuerst die normale Ultraschalluntersuchung der Leber.
  4. Dann setze ich das Messfeld unter Bildkontrolle in die Leber und nehme mehrere Messungen.
  5. Nach wenigen Minuten liegt das Ergebnis vor – keine Nadel, keine Betäubung, keine Strahlung.

Die Messung kann beliebig oft wiederholt werden, etwa zur Verlaufskontrolle.

Für wen ist die Messung sinnvoll?

Die Shearwave-Elastografie hilft, Risikopatienten früh zu erkennen – insbesondere bei Fettleber, Diabetes mellitus, deutlichem Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum oder chronisch erhöhten Leberwerten.

Ehrlich gesagt: Ein einzelner Wert reicht nicht

Die Elastografie ist ein Frühwarnsystem, kein Urteil. Eine akute Leberentzündung, ein Gallenstau, eine Stauung bei Herzschwäche oder starkes Übergewicht können die Messwerte verfälschen. Deshalb gehört das Ergebnis immer in den Zusammenhang: Blutwerte, das Ultraschallbild selbst und Ihre Vorgeschichte. Erst dieses Gesamtbild erlaubt eine verlässliche Einschätzung – und macht in den meisten Fällen die früher übliche Leberbiopsie überflüssig.

Mein Weg in Baden-Baden

In meiner Praxis führe ich die Shearwave-Elastografie im selben Termin wie die hochauflösende Sonographie durch und kombiniere sie mit gezielter Labordiagnostik. So klären wir in einer Sitzung, wie es um Ihre Leber steht – und ob Handlungsbedarf besteht. Ob die Untersuchung für Sie sinnvoll ist, besprechen wir persönlich.

Prof. h. c. (RU) Dr. med. Wolfgang Kelling · Facharzt für Kardiologie · Facharzt für Gastroenterologie · Baden-Baden