Fettleber, die stille Volkskrankheit und wie sie sich schmerzlos erkennen lässt

Die Fettleber gehört zu den häufigsten Lebererkrankungen in Deutschland – und die meisten Betroffenen wissen nichts davon. Schätzungen zufolge ist rund jeder Vierte bis Dritte Erwachsene betroffen. Ab der Lebensmitte ist es noch häufiger: Eine Studie der Universität Greifswald fand in der Altersgruppe der 42- bis 62-Jährigen bei 42,2 % eine Fettleber – also fast bei jedem Zweiten.

Das Tückische: Eine Fettleber verursacht lange keine Beschwerden. Sie bleibt oft jahrelang unentdeckt, während sie im Hintergrund fortschreiten kann. Die gute Nachricht: Früh erkannt, ist sie in vielen Fällen umkehrbar.

Was ist eine Fettleber?

Von einer Fettleber spricht man, wenn sich zu viel Fett in den Leberzellen einlagert – konkret, wenn mehr als 10 % des Lebergewichts aus Fett bestehen oder mehr als die Hälfte der Leberzellen verfettet ist.

Die mit Abstand häufigste Form ist die nichtalkoholische Fettleber (Fachbegriff: NAFLD, neuer auch MASLD). Sie entsteht nicht durch Alkohol, sondern durch Über- und Fehlernährung, Bewegungsmangel und Stoffwechselstörungen. Wichtig zu wissen: Auch schlanke Menschen können eine Fettleber haben.

Warum eine Fettleber gefährlich sein kann

Eine unbehandelte Fettleber kann sich schrittweise verschlechtern: von der einfachen Fettleber über eine Entzündung (Fettleberhepatitis, NASH) und eine Vernarbung des Gewebes (Fibrose) bis hin zur Leberzirrhose – und in seltenen Fällen zu Leberkrebs.

Als Kardiologe möchte ich auf einen Zusammenhang hinweisen, der oft unterschätzt wird: Leber, Herz und Stoffwechsel hängen eng zusammen. Eine Fettleber ist häufig mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Studien zeigen, dass Betroffene insgesamt eine erhöhte Sterblichkeit haben – vor allem durch Herz-Kreislauf-Ereignisse. Die Fettleber ist damit weit mehr als „nur" ein Leberproblem.

Warum die Blutwerte allein nicht genügen

Viele verlassen sich auf ihre Leberwerte im Blut. Doch das reicht nicht: Eine Fettleber kann bestehen, obwohl die Leberwerte im Normbereich liegen. Umgekehrt hat etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland erhöhte Leberwerte, ohne die Ursache zu kennen. Um eine Fettleber zuverlässig zu beurteilen, braucht es daher eine bildgebende Untersuchung.

Schmerzlose Früherkennung: Ultraschall und Shearwave-Elastografie

In meiner Praxis kombiniere ich zwei Verfahren, die beide völlig schmerzlos und ohne Strahlenbelastung sind:

  • Ultraschall der Leber: macht die Verfettung sichtbar – eine verfettete Leber erscheint im Ultraschallbild heller als normal.
  • Shearwave-Elastografie: misst zusätzlich, wie „steif" das Lebergewebe bereits ist. Die Gewebesteifigkeit ist ein wichtiger Hinweis darauf, ob und wie weit eine Vernarbung (Fibrose) fortgeschritten ist.

Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, erfolgt ohne Nadel und ohne Eingriff. Sie kann in vielen Fällen eine belastende Gewebeprobe (Biopsie) ersetzen – gerade auch, um den Verlauf über die Zeit zu kontrollieren.

Was Sie selbst tun können

Die wirksamste Behandlung der nichtalkoholischen Fettleber ist bis heute die Änderung des Lebensstils:

  • Schrittweise Gewichtsabnahme (schon wenige Kilogramm können viel bewirken)
  • Weniger Zucker – insbesondere zuckerhaltige Getränke und Fruchtzucker
  • Regelmäßige Bewegung
  • Alkohol reduzieren
  • Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck konsequent behandeln lassen

Entscheidend ist, früh zu handeln: Frühe Stadien der Fibrose sind reversibel – die Leber kann sich erholen.

Häufige Fragen zur Fettleber

Merkt man eine Fettleber?

Meist nicht. Eine Fettleber verursacht lange keine spürbaren Beschwerden. Genau deshalb bleibt sie oft unentdeckt – und deshalb ist eine gezielte Früherkennung sinnvoll.

Kann man eine Fettleber wieder rückgängig machen?

In frühen Stadien ja. Durch Gewichtsabnahme, gesündere Ernährung und mehr Bewegung kann sich die Leber weitgehend erholen. Auch frühe Vernarbungen sind rückbildungsfähig.

Ist die Untersuchung schmerzhaft?

Nein. Ultraschall und Shearwave-Elastografie sind völlig schmerzlos, ohne Nadel und ohne Strahlung. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten.

Bekommt man eine Fettleber nur durch Alkohol?

Nein. Die häufigste Form ist die nichtalkoholische Fettleber. Sie entsteht durch Ernährung, Bewegungsmangel und Stoffwechselstörungen – nicht durch Alkohol.

Fettleber abklären lassen – in Baden-Baden

Sie möchten wissen, wie es um Ihre Leber steht – gerade wenn erhöhte Leberwerte, Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Risiken bekannt sind? In meiner kardiologischen Praxis in Baden-Baden biete ich die schmerzlose Untersuchung der Leber per Ultraschall und Shearwave-Elastografie an.

Praxis Dr. med. Wolfgang Kelling
Sophienstraße 3, Baden-Baden
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Fettleber oder Leberfibrose? — Wie die Shearwave-Elastografie die Leber ohne Biopsie misst

Ob aus einer Fettleber bereits eine Vernarbung (Fibrose) geworden ist, lässt sich heute ohne Gewebeentnahme feststellen. Die Shearwave-Elastografie misst direkt während der Ultraschalluntersuchung – schmerzfrei und ohne Strahlung –, wie steif das Lebergewebe ist. Je steifer die Leber, desto wahrscheinlicher liegt eine Fibrose oder, im fortgeschrittenen Stadium, eine Zirrhose vor.

Warum die Leber lange stumm bleibt

Die Leber besitzt keine Schmerzfasern im eigentlichen Gewebe. Eine Fettleber, eine beginnende Fibrose und selbst eine frühe Zirrhose verursachen deshalb oft keinerlei Beschwerden. Viele Betroffene erfahren erst spät von ihrer Erkrankung – dabei ist gerade das frühe Stadium gut beeinflussbar.

Wie funktioniert die Shearwave-Elastografie?

Die Shearwave-Elastografie ist Teil der normalen Ultraschalluntersuchung. Der Ultraschallkopf erzeugt einen sanften Impuls, der eine feine Scherwelle durch das Lebergewebe schickt. Das Gerät misst, wie schnell sich diese Welle ausbreitet: In steifem, vernarbtem Gewebe läuft sie schneller als in weichem, gesundem. Entscheidender Vorteil gegenüber einer „blinden“ Messung: Ich sehe die Leber dabei live im Bild und kann die Messung gezielt platzieren – vorbei an Gefäßen, an der geeigneten Stelle.

So läuft die Untersuchung ab

  1. Sie kommen nüchtern zur Messung (mindestens 2–3 Stunden vorher nichts essen).
  2. Sie liegen entspannt auf dem Rücken, der rechte Arm hinter dem Kopf.
  3. Zuerst die normale Ultraschalluntersuchung der Leber.
  4. Dann setze ich das Messfeld unter Bildkontrolle in die Leber und nehme mehrere Messungen.
  5. Nach wenigen Minuten liegt das Ergebnis vor – keine Nadel, keine Betäubung, keine Strahlung.

Die Messung kann beliebig oft wiederholt werden, etwa zur Verlaufskontrolle.

Für wen ist die Messung sinnvoll?

Die Shearwave-Elastografie hilft, Risikopatienten früh zu erkennen – insbesondere bei Fettleber, Diabetes mellitus, deutlichem Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum oder chronisch erhöhten Leberwerten.

Ehrlich gesagt: Ein einzelner Wert reicht nicht

Die Elastografie ist ein Frühwarnsystem, kein Urteil. Eine akute Leberentzündung, ein Gallenstau, eine Stauung bei Herzschwäche oder starkes Übergewicht können die Messwerte verfälschen. Deshalb gehört das Ergebnis immer in den Zusammenhang: Blutwerte, das Ultraschallbild selbst und Ihre Vorgeschichte. Erst dieses Gesamtbild erlaubt eine verlässliche Einschätzung – und macht in den meisten Fällen die früher übliche Leberbiopsie überflüssig.

Mein Weg in Baden-Baden

In meiner Praxis führe ich die Shearwave-Elastografie im selben Termin wie die hochauflösende Sonographie durch und kombiniere sie mit gezielter Labordiagnostik. So klären wir in einer Sitzung, wie es um Ihre Leber steht – und ob Handlungsbedarf besteht. Ob die Untersuchung für Sie sinnvoll ist, besprechen wir persönlich.

Prof. h. c. (RU) Dr. med. Wolfgang Kelling · Facharzt für Kardiologie · Facharzt für Gastroenterologie · Baden-Baden

Belastungs-EKG oder Stressecho — was ist aussagekräftiger?

Kurz gesagt: Geht es um die Frage, ob das Herz schlecht durchblutet ist, ist das Stressecho dem einfachen Belastungs-EKG klar überlegen. Es zeigt direkt, ob sich der Herzmuskel unter Belastung normal bewegt — und trifft die Durchblutungsstörung deutlich zuverlässiger. Die kardiologischen Fachgesellschaften empfehlen für diese Frage heute ausdrücklich ein bildgebendes Verfahren wie das Stressecho statt des Belastungs-EKGs. Das Belastungs-EKG hat weiter seinen Platz, beantwortet die Durchblutungsfrage aber nur eingeschränkt.

Was ist ein Belastungs-EKG?

Beim Belastungs-EKG (auch Ergometrie) treten Sie auf einem Fahrrad oder Laufband in die Pedale, während ein EKG Ihren Herzrhythmus aufzeichnet. Gemessen werden Veränderungen der Herzstromkurve, der Blutdruck und Ihre Beschwerden unter Belastung. Es ist schnell, ohne Strahlung und überall verfügbar.

Der Nachteil: Das Belastungs-EKG erkennt nur indirekte Hinweise auf eine Durchblutungsstörung. Es zeigt nicht, wo das Problem liegt, und ist bei manchen Menschen — etwa bei Frauen oder bei bestimmten Vorbefunden — weniger zuverlässig. Falsch positive und falsch negative Ergebnisse kommen vor.

Was ist ein Stressecho?

Beim Stressecho wird Ihr Herz per Ultraschall sichtbar gemacht — einmal in Ruhe und einmal unter Belastung. So lässt sich direkt beobachten, ob sich alle Bereiche des Herzmuskels noch kräftig bewegen oder ob ein Abschnitt unter Belastung „schwächelt". Genau das ist das frühe Zeichen einer Durchblutungsstörung.

Mit einem Kontrastmittel werden die Herzwände noch deutlicher abgegrenzt. Das erhöht die Aussagekraft spürbar, gerade wenn die Bilder sonst schwer zu beurteilen wären.

Warum ist das Stressecho genauer?

Das Belastungs-EKG erkennt eine Durchblutungsstörung nur indirekt — über Veränderungen der Herzstromkurve, die erst spät auftreten. Das Stressecho setzt früher an: Es macht sichtbar,

Brauche ich einen Herzkatheter? — Wann ja, wann nein

Ein Herzkatheter ist kein Routine-Check, sondern eine gezielte Untersuchung, wenn der Verdacht auf gefährliche Engstellen der Herzkranzgefäße besteht. Er zeigt die Gefäße sehr genau – ist aber ein Eingriff, kein erster Schritt. In vielen Fällen lässt sich die entscheidende Frage zuerst ohne Katheter klären.

Eher ja, wenn:

  • Brustschmerz bei Belastung, Luftnot oder Engegefühl neu auftreten
  • Beschwerden trotz Medikamenten bleiben
  • Belastungs-EKG, Stress-Echo, CT oder Szintigrafie deutlich auffällig sind
  • ein Herzinfarkt oder instabile Angina vermutet wird
  • Troponin erhöht ist oder neue EKG-Veränderungen bestehen

Eher nein, wenn:

  • die Beschwerden untypisch sind
  • EKG, Echo und Blutwerte unauffällig sind
  • das Risiko niedrig ist
  • eine CT-Koronarangiografie oder ein Belastungstest zuerst mehr Sinn macht
  • man „nur mal schauen" will

Wichtig: Der Katheter zeigt die Gefäße sehr genau – aber er ist invasiv. Es gibt ein Blutungsrisiko, eine Kontrastmittelbelastung und selten ernsthafte Komplikationen.

Mein Merksatz: Nicht jeder Brustschmerz braucht sofort einen Katheter. Aber ein echter Warnschmerz gehört sofort abgeklärt.

Ein wichtiger Hinweis zu „untypischen" Beschwerden

Gerade bei Frauen, Menschen mit Diabetes und älteren Patienten können die Beschwerden untypisch sein – und trotzdem ernst. Wer unsicher ist, sollte sich nicht selbst beruhigen, sondern die Symptome ärztlich einordnen lassen. Die Entscheidung für oder gegen einen Katheter trifft man immer individuell, nie nach Schema.

Was ich in meiner Praxis zuerst mache

Bevor ich zu einem invasiven Schritt rate, kläre ich die Frage – wenn medizinisch vertretbar – mit nicht-invasiven Verfahren wie der Stress-Echokardiographie mit Kontrastmittel oder einer CT-Koronarangiografie. So lässt sich oft beantworten, ob überhaupt ein Katheter nötig ist – und vielen Patienten bleibt der Eingriff erspart.

Im Notfall: nicht googeln, sondern handeln

Bei Druck oder Schmerz auf der Brust, Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken, Kaltschweißigkeit, Atemnot oder Übelkeit gilt: Sofort den Notruf 112 wählen. Das kann ein Herzinfarkt sein – hier zählt jede Minute, und kein Verfahren ist wichtiger als schnelle Hilfe.

Autor: Dr. Kelling, Facharzt für Kardiologie, Baden-Baden